Identität und Deutschsein – Etappe 1

Erste Etappe im Reisebericht. Auf geht es zu einer  entspannteren deutschen Identität und zu einem menschlich-neugierigen Deutschsein

Deutschsein

Eine erschütterte Identität?

Der Jenaer Historiker Norbert Frei und seine Kolleg*innen haben festgestellt, das Selbstverständnis der „bundesrepublikanischen Gesellschaft“ sei „spürbar erschüttert“. Stimmt das? Ich glaube, es ist nicht die ganze Gesellschaft erschüttert, sondern eher ein Teil über einen anderen. Erschüttert darüber, auf einmal laut  mit  „völkischen Stereotypen“ konfrontiert zu werden. Oder sich mit Vorstellungen vom Deutschsein auseinandersetzen zu müssen, die von einer  „homogenen Nation“ ausgehen. Oder Lehren aus der Geschichte, die als sicher galten, auf einmal offen in Frage gestellt zu sehen.[1]

Eine umkämpfte Identität?

Ist diese Diskrepanz etwas Neues? Oder ist eher neu, Identität, Deutschsein in Deutschland im öffentlichen Raum konträr zu positionieren?

Frei und seine Kolleg*innen sehe ich bei denen, deren Selbstverständnis als Deutsche vielleicht erschüttert ist. Und die sich um die Zukunft der deutschen Demokratie sorgen. Als Historiker*innen wissen sie zu viel über den schon einmal erlebten Verlust einer offenen Demokratie in Deutschland. Und das alles ist erst eine Generation her. Haben wir denn nichts daraus gelernt?

Was aber ist mit dem „anderen Teil“ dieser bundesrepublikanischen Gesellschaft? Dem Teil, der, repräsentiert durch die AfD, diesen neuen Nationalismus mit einer „bislang beispiellos erfolgreichen Mobilisierung von rechts“ (Frei: 7) seit 2015 so lautstark zu Gehör bringt. Ist denn wenigstens dieser Teil entspannt, weil er endlich Raum, endlich Gehör findet?

Eine Identität im Krisenmodus

Erinnern wir uns an den Vorschlag von Frau Petry von Anfang 2016, Flüchtlinge an den Grenzen notfalls mit Gewalt zu stoppen. Schussbefehl gegen unbewaffnete Zivilisten? Wie bedroht muss man sich fühlen, um solche Ideen überhaupt zu haben? Das ist alles andere als entspannt.

Eine Erzählung über eine womöglich bedrohte Identität

Die Gedankenbilder hinter solchen Szenarios werden mit Verschwörungstheorien wie dem „großen Austausch“ umschrieben. Auf dieser Ebene wird auch deutlicher, was der Zusammenhang mit Identität und Deutschsein an dieser Stelle ist. Hören wir nochmal die Zeithistoriker: „Eine ethnisch definierte ‚Schicksalsgemeinschaft‘ wird gegen den Rechtsstaat in Stellung gebracht. Zu diesem Zweck verbreitet die Neue Rechte… den Mythos vom ‚großen Austausch‘: Die Behauptung, dass die kosmopolitisch-liberalen Eliten in Politik und Medien eine ‚Völkerwanderung‘ in Gang gesetzt hätten, um durch ‚Überfremdung‘ und ‚Islamisierung‘ die ‚abendländische Kultur‘ zu vernichten und ein deutsches, vielleicht sogar europäisches ‚Völkersterben‘ einzuleiten.“[2]

Wenn Identität in Gefahr zu geraten scheint, wird es gefährlich

Kann so etwas wahr sein? Wer solchen Vorstellungen Glauben schenkt, wird sich jedenfalls nicht entspannt fühlen. Er oder sie wird befürchten, dass der Staat seine Schutzfunktion nicht mehr ausüben kann. Das würde den Vertrauensverlust in den Rechtsstaat erklären. Das Bedrohungsgefühl reicht aber tiefer. Es umfasst ein „Wir“ und damit eine Gruppe, mit der Zugehörigkeit und Anerkennung verbunden wird. Wird das „Wir“ in Gefahr gesehen, geht es ins Eingemachte. Denn auf dieser Ebene werden tief in Menschen verankerte emotionale Mechanismen aktiviert. Dann kämpft Urmensch gegen Säbelzahntiger. Das würde erklären, wieso vernünftige Argumente da nicht verfangen: Sie spielen auf dieser Ebene keine Rolle. Der Wahrheitsgehalt solcher Erzählungen ist nicht das Entscheidende. Es reicht völlig aus, wenn sie plausibel für diejenigen ist, die sie hören.

Demokratie

Es geht um das „Wir“

Was hat das alles mit nationaler Identität, mit Deutschsein und mit der Zukunft zu tun? Frei und seine Kolleg*innen sehen durch die „rechtspopulistische Mobilisierung … Grundsatzfragen der demokratischen Gesellschaft“ aufgeworfen, und zwar: „Wer oder was ist deutsch? Was bedeuten Heimat, Patriotismus und Nation? Welche Grundrechte gelten für wen? Welchen Wert hat eine kritische Geschichtskultur? Und wie weltoffen und zugleich streitbar soll die Demokratie in Deutschland künftig sein?“[3]

Ausschluss – Einschluss – Deutungshoheit

Für mich vermischen sich da vier Ebenen: Die eine ist die Ebene, auf der über das „Wir“ gesprochen wird. Die zweite ist die Ebene, auf der entschieden wird, wer mitreden darf. Die dritte ist die Ebene der Deutung: Was ist richtig und was ist falsch („richtige“ Geschichtsbetrachtung, „richtige“ Demokratie). Die vierte ist: Was sind die Grenzen der Zumutbarkeit? Es wird interessant, einmal Deutschsein und Identität in diesen Topf zu werfen.

Gespaltene Identitäten kämpfen ums richtige Deutschsein in der richtigen Demokratie

Wer hat denn nun Recht? Wer hat das „Deutschsein“ auf seiner Seite? Der Teil, der Deutschsein weltoffen versteht und für den die „anderen“ rückwärtsgewandte Antidemokraten sind? Oder der Teil, der schlicht von sich behauptet, das „wahre“ Deutschsein zu vertreten? Und für den die „anderen“ entweder Volksverräter sind oder gar nicht zum Deutschsein gehören – also „Fremdkörper“?

Dazwischen gibt es bestimmt viele weitere Teile dieser bundesdeutschen Gesellschaft, die in dieser Polarisierung gerade untergehen. Die sich gar nicht mehr trauen, sich zu positionieren. Weil, egal mit wem man redet, man erntet unentspannte Reaktionen. Außer ich rede nur noch mit denen, von denen ich weiß, dass sie meine Ansichten teilen. Bleibt es dabei, werden wir vielleicht an der Herausforderung der Stunde vorbeigehen: nämlich eine Debatte über Identität und Deutschsein überhaupt führen zu können

Sprachfähig werden zu Identität und Deutschsein

Mittlerweile bin ich auf meiner eigenen Reise dort angekommen, wo ich auf ein entspannteres und vor allem menschlich verbundenes Deutschsein echt neugierig zu sein. Ich kann mir das inzwischen sogar vorstellen.

Mein Ausgangspunkt aber war ein ganz anderer. Es war die erschreckende Erkenntnis: Ich bin gar nicht sprachfähig. Reden über Identität im Zusammenhang mit Deutschsein verschließt mir den Mund. Inzwischen kenne ich einige der guten Gründe dafür. Was ich auf dieser Reise kennengelernt habe, davon berichte ich in dieser Reihe.

Als Einstieg dazu möchte ich zwei meiner wichtigsten bisherigen Einsichten teilen: Nämlich was ich unter Identität verstehe und wie ich das Deutschsein sehe.

Identität

Identität ist Einzigartigkeit

Meine Identität!  Das ist einmal das, was mich im Kern ausmacht, wovon ich sagen würde: Das bin ich. Interessanterweise ist das durchaus nichts Festes, in Stein gemeißeltes. Manchmal habe ich sogar den Eindruck, je länger die Suche dauert, umso facettenreicher wird das, was mich ausmacht. Manchmal scheinen die Grenzen zu verschwimmen und auch das fühlt sich richtig an. Das klingt vielleicht esoterisch, lässt sich auch nur unzureichend in Worte fassen. Für mich überraschend war die Erfahrung, dass Grenzenlosigkeit UND Eindeutigkeit zusammen passen können. Passen, das ist hier das Zauberwort. Zu spüren, dass was passt und genau so richtig ist, wie es sich gerade anfühlt.

Auf diesen Punkt komme ich ich immer wieder. Das ist ein Gefühl von innerer Stimmigkeit. Diese Identität hat für mich sehr viel zu tun mit den Selbstqualitäten, die ich aus der Arbeit mit dem Inneren Familiensystem kenne.

Identität ist gewollte Zugehörigkeit

Ein zweiter Aspekt meiner Identität ist meine Zugehörigkeit zu Gruppen, die ich mit anderen Menschen teile. Davon wähle ich einige selber (meine Essgewohnheiten z.B.), andere werden mir von anderen Menschen und Institutionen zugeschrieben. Dazu gehört zum Beispiel das Wahlrecht an meinem Wohnplatz oder ob ich eine Emanze bin. (Sagt man das heute überhaupt noch so? An diesem Beispiel wird deutlich, dass auch Identitätszuschreibungen ihre Zeit und Konjunktur haben können).

Identität ist gewollte Abgrenzung

Identität als Zugehörigkeit zu Gruppen braucht „die Anderen“: Mit wem soll ich mich denn vergleichen, mich ihnen ähnlich finden und von mir sagen: So bin ich auch? Gleichzeitig brauche ich Andere, von denen ich, mich mit ihnen vergleichend, mich eben abgrenze. Viele Identitäten zu haben ist also der Normalfall, ebenso wie viele andere Identitäten neben und um sich herum zu haben.

Identität und Identitätsmobilisierung

Selbst entscheiden zu dürfen, welche meiner Identitäten für mich bedeutsam ist und welche nicht, sollte ebenfalls der Normalfall sein. Öffentlich zu machen, dass ich mich gerade mit meiner deutschen Identität beschäftige, löst allerdings unmittelbar unentspannte Reaktionen in der Umgebung aus: Wieso gerade deutsch? Bist Du rechts? Was soll denn das jetzt noch?

Dazu kann ich vor dem Hintergrund meiner Erfahrungen in den letzten Jahren nur sagen: Ja, die Identität als Deutsche gehört auch zu mir – wie alle anderen. Was ist daran so abstoßend, dass ich mich nicht mit ihr beschäftigen sollte? Wenn ich das jetzt so zu anderen sage, muss ich mir selber allerdings eingestehen, dass ich genau das getan habe: Ich habe mich jahrzehntelang um diese Identität nicht gekümmert. Ich kann die Einwände inzwischen nur zu gut verstehen, auch wenn ich sie nicht mehr teile. Bei mir kenne ich allerdings die Gründe, die zu dieser Abwehr beigetragen haben. Meine Reise ist zu großen Teilen eine Reise hin zu Abwehrhaltungen und den guten Gründen dafür.

Deutsche Identität

Ich habe, wie gesagt, viele Identitäten. Amartya Sen hat in seinem Buch „Die Identitätsfalle“ die Vielzahl von Identitäten schön aufgelistet… [4]. Meine Identitäten sind andere als seine, und es ist meine Wahl, zu entscheiden, mit welcher ich mich befassen möchte. In diesem Beitrag möchte ich mich mit der Identität beschäftigen, die mich zu einer Deutschen macht. Ich möchte dieses auch nicht begründen müssen. Es hat lange genug gedauert, bis von den vielen Identitäten, die ich habe, nun gerade diese überhaupt für eine tiefgehende Reflexion zugänglich geworden ist. Deshalb sei ihr dieser Raum gegönnt, auch wenn sie sperrig ist. Ich will sie auch nicht gleich wieder wegmachen mit dem Hinweis auf europäische, internationale und sonstige andere, pflegeleichtere Identitäten. Die habe ich auch, aber dies hier ist der Raum meiner deutschen Identität.

Zuschreibungen deutscher Identität

Was für eine Deutsche bin ich denn? Mein Vater, in Oberschlesien nach dem Ersten Weltkrieg geboren, sprach von sich als „Beutegermane“. Meine Mutter ist Ur-Westfälin. Was bin dann ich? Andere Deutsche mit Eltern aus anderen Ländern bezeichnen mich als „Herkunfts-Deutsche“ oder „deutsch-Deutsche“. Meine beiden Eltern waren Deutsche, also bin ich es auch. Ich bin mit meinem bleichen, unauffälligen, und inzwischen grauharigen Erscheinungsbild als „Mehrheitsdeutsche“ erkennbar.

Identität ist gleichwertige Zugehörigkeit

Was sollen aber diese immer weiter ausdifferenzierenden Unterteilungen? Das löst in mir ein inneres Unbehagen aus und ich weiß auch wieso. Unterschwellig werden damit nämlich Wertungen verteilt. Mehrheits-Minderheitsdeutsch / Herkunfts- (Bio-)deutsch und zugewandert-deutsch? Wer zählt mehr? Wann darf jemand mitreden? Gehöre ich wirklich dazu? Oder wohne ich hier nur?

In das Dorf, in dem ich seit dreißig Jahren lebe, bin ich aus einer anderen deutschen Landschaft zugewandert. Für manche bleibe ich damit mein Leben lang ein fremder Frosch, weil ich in einem anderen Teich aufgewachsen bin. Faktisch ist das richtig. Ich bin ein zugewanderter Frosch aus einem anderen Teich. Aber wenn mir mit diesem Argument ein Mitspracherecht in Angelegenheiten in meinem Dorf abgesprochen wird, bekommt das Ganze einen merkwürdigen Beigeschmack.

Deutschsein

Deutschsein freiwillig wählen

Ich bestehe inzwischen auf einer freiwilligen Selbstzuschreibung, wenn es um Identitäten geht. Für mich wie für andere lehne ich Fremdzuschreibungen ab. Deutsch ist für mich, wer sich als Deutsche oder Deutscher sieht oder versteht. Da mag der Pass oder der Aufenthaltsstatus etwas anderes behaupten, da mögen äußerliche Merkmale etwas anderes nahelegen – das ist mir schnuppe. Zu dieser Haltung komme ich mit gutem Grund:

Wenn andere definieren dürfen, welche Identität sie mir zuschreiben, und was das dann für mich bedeutet, dann ist der Willkür Tür und Tor geöffnet. Wir Deutsche haben damit Erfahrung.

Fremdzuschreibung  ist Anmaßung

Aktuell wiederholt sich gerade die Erfahrung, dass Menschen über die  Identität anderer Menschen entscheiden und sich einbilden, das gäbe ihnen das Recht, diesen Menschen Leid anzutun. So schreibt die Rechtsanwältin Seda Basay-Yildiz: „Menschen werden in diesem Land getötet, angefeindet, bedroht und beleidigt, weil sie angeblich Volksverräter  oder keine ‚Deutsche‘ sind.“[5] Menschen wie Burak Ceylan, mit Mutter aus Deutschland und Vater aus der Türkei, sagt von sich: „Ich bin in Deutschland geboren und fühle mich als Deutscher.“[6] Wer darf ihm absprechen, dazu zu gehören?

Betrachten wir kurz die Erfahrung, die die deutsche Gesellschaft erst in der letzten Generation gemacht hat. In ihrem Buch: „Wir haben uns als Deutsche gefühlt. Lebensrückblick und Lebenssituation jüdischer Emigranten und Lagerhäftlinge“ haben sich Andreas Kruse und Eric Schmitt mit der Fremdzuschreibung von Identitäten intensiv auseinandergesetzt[7].  Am Schickal  jüdischer Emigranten und Lagerhäftlinge zeigen sie auf, was geschieht, wenn Menschen in Machtpositionen über die Identitäten von Mitbürger*innen verfügen.

Eine warnende Erfahrung mit Identitätspolitik

Nachdem die Nationalsozialisten den Rechtsstaat der Weimarer Republik 1933 gekapert hatten, erfanden sie 1935 im Reichsbürgergesetz zwei Klassen von Staatsangehörigen. Die eine Gruppe waren „Staatsangehörige deutschen und artverwandten Blutes“. Sie konnten „Reichsbürger“ mit vollen bürgerlichen Rechten werden. Die andere Gruppe waren „einfache“ Staatsangehörige. Spätere Ausführungsbestimmungen zu diesem Gesetz  grenzten in den folgenden Jahren solche Bürger*innen mehr und mehr aus, und diese wurden –  entsprechend der nationalsozialistischen Ideologie – umgebracht. Staatliche Macht diente dazu, um aus dem Staatsvolk der Deutschen Deutsche hinauszudefinieren und ihnen sowohl ihre Rechte als deutsche Staatsbürger*innen als auch das Leben zu nehmen und sie als „Untermenschen“ quasi von der Menschheit selbst auszuschließen.

Stattdessen: Identität als Haltung respektieren

Ich bin sehr dankbar, wie Andreas Kruse und Eric Schmitt mit dieser Herausforderung umgegangen sind, als sie selber ihre Gesprächspartner*innen ein“sortieren“ mussten. Sie haben darauf verzichtet, als „objektive Wissenschaftler“, quasi erneut fremd bestimmend, ihre Gesprächspartner*innen in Kategorien von Identitäten einzusortieren. Sie schreiben: „In unserem Verständnis lässt sich die Identität einer Person nicht ‚von außen‘, durch objektive Merkmale, die sie mehr oder weniger eindeutig ‚identifizieren‘, bestimmen. Unter ‚Identität‘ verstehen wir keine überdauernde Eigenschaft, keine stabilen Merkmale, die eine Person einfach hat, sondern eine Haltung der Person, eine Perspektive, aus der sie sich mit anderen vergleicht und andere Personen als ähnlich oder unähnlich wahrnimmt.“[8]

Ich finde diesen Ansatz sehr hilfreich für die notwendige gesellschaftliche Diskussion über Zugehörigkeit. Daraus folgt aber auch: Die Identität eines anderen Menschen bestimmt dieser Mensch selbst.

Deutschsein – einer sperrigen Identität ins Auge sehen

Meine Haltungen zu Deutschsein und Identität, die ich jetzt erlebe, sind bereits Früchte meiner Reise. Diese Reise führte mich indessen zunächst in meine Geschichte. Die Auseinandersetzung mit dem Missbrauch nationaler Identität durch die Nationalsozialisten lag dabei wie eine Bleiplatte auf mir. Dank eines Workshops mit Composite Heritage gelang es mir, diese kraftraubende Bleiplatte, aber auch ein neues Gefühl von Sehnsucht kennenzulernen. Dieses Gefühl gab mir – wie ich heute weiß – tatsächlich die Ausdauer, an dem Thema dranzubleiben.

Heute bin ich  dankbar für alles, was mir begegnete und vor allem dafür, dass ich der weiteren Reise zunehmend mit Neugier entgegenblicke.

Wo begann die Reise?

Thilo Spahl schildert in seinem Essay „Über Europäer“ den folgenden Gag. Man stelle sich vor, in der Brüsseler Europa-Bürokratie treffen sich neue Mitarbeitende. Die Vorstellungsrunde geht dann womöglich so: „Woher kommen Sie?“ „Ich bin Italiener.“ „Ich Pole.“ „Ich komme aus Finnland.“ „Ich aus Irland.“ „Ich bin Europäer!“ Alle: „Ah, ein Deutscher“. …[9]

Als ich das neulich las, war mir, als hielte mir jemand einen Spiegel vor… Meine Reise begann in Bangladesh…. Unterwegs in der Welt mit meinem schönen europäischen Pass, traf ich auf ein sehr zwiespältiges Gefühl, als ich mich – unvorbereitet und überraschend – mit meiner Identität als Deutscher konfrontiert sah…

Mehr davon im nächsten Beitrag.

 

Literatur:

Seda Basay-Yildiz, Wenn die Würde des Menschen durch die Staatsgewalt angetastet wird, S. 24-28 in: Matthias Meisner/Heike Kleffner (Hrsg.), Extreme Sicherheit. Rechtsradikale in Polizei, Verfassungsschutz, Bundeswehr und Justiz, 1. Auflage, Freiburg 2019.

Norbert Frei/Christina Morina/Franka Maubach/Maik Tändler, Zur rechten Zeit. Wider die Rückkehr des Nationalismus, Berlin 2019.

Andreas Kruse/Eric Schmitt, Wir haben uns als Deutsche gefühlt. Lebensrückblick und Lebenssituation jüdischer Emigranten und Lagerhäftlinge, Darmstadt 2000.

Amartya Sen, Die Identitätsfalle. Warum es keinen Krieg der Kulturen gibt, München 2007.

Thilo Spahl, Über Europäer. Der Versuch der EU, eine „europäische Identität“ von oben herab zu erzeugen, schadet der Demokratie, in: Die sortierte Gesellschaft. Zur Kritik der Identitätspolitik, hrsg. v. Johannes Richardt (Novo, Band 125), 1. Auflage 2018, Frankfurt am Main 2018, 55–70.

[1] Frei 2019: 7

[2] Frei 2019: 13.

[3] Frei 2019: 11.

[4] „Die Kategorien, denen wir gleichzeitig angehören, sind sehr zahlreich. Was mich betrifft, so kann man mich zur gleichen Zeit bezeichnen als Asiaten, Bürger Indiens, Bengalen mit bangladeshischen Vorfahren, Einwohner der Vereinigten Staaten oder Englands, Ökonomen, Dilettanten auf philosophischem Gebiet, Autor, Sanskritisten, entschiedenen Anhänger des Laizismus und der Demokratie, Mann, Feministen, Heterosexuellen, Verfechter der Rechte von Schwulen und Lesben, Menschen mit einem areligiösen Lebensstil und hinduistischer Vorgeschichte, Nicht-Bramahnen und Ungläubigen, was das Leben nach dem Tode und, falls es jemanden interessiert, auch ein ‚Leben vor der Geburt‘ angeht. “ In: Amartya Sen, Die Identitätsfalle. Warum es keinen Krieg der Kulturen gibt, München 2007: 33f.

[5] Basay-Yildiz, Seda: 28, in: Matthias Meisner/Heike Kleffner (Hrsg.), Extreme Sicherheit. Rechtsradikale in Polizei, Verfassungsschutz, Bundeswehr und Justiz, 1. Auflage, Freiburg 2019.

[6]  FR. 18.9.2019:D8.

[7] Andreas Kruse/Eric Schmitt, Wir haben uns als Deutsche gefühlt. Lebensrückblick und Lebenssituation jüdischer Emigranten und Lagerhäftlinge, Darmstadt 2000.

[8] Kruse/Schmitt 2000: 192.

[9] Thilo Spahl, Über Europäer. Der Versuch der EU, eine „europäische Identität“ von oben herab zu erzeugen, schadet der Demokratie, in: Die sortierte Gesellschaft. Zur Kritik der Identitätspolitik, hrsg. v. Johannes Richardt (Novo, Band 125), 1. Auflage 2018, Frankfurt am Main 2018, 55–70: 69.